WAHRES VERSTEHEN
 
 
Heilsame Umgebung

SCHÜLERIN:
Ich merke, wie schwer mir mein Leben in dieser Gesellschaft fällt ... es gibt fast keinen Menschen in meinem
Umfeld, der mich in meiner inneren Entwicklung wahrlich unterstützt. Entweder wird das, mit was ich mich
beschäftige von vornherein abgelehnt oder inkompetente Menschen geben schlaue Ratschläge, anstatt mir
einfach den Raum zu geben, damit sich Dinge in mir entfalten können. Ich verstehe jetzt erst, warum du immer
wieder betont hast, dass die Verbindung zu einem Lehrer und das Praktizieren in einer Sangha so wichtig
sind. 

DANIEL:
Ja, eine heilsame Umgebung ist absolut notwendig, damit sich manche Dinge entfalten können. Zu viele
Zweifler oder pseudospirituelle Menschen "tun" einer inneren Entwicklung nicht gut. Gerade jetzt, wo die
ganzen "Spiri-Workshops" Hochkonjunktur haben, sprießen "inkompetente Ratgeber" massiv aus dem
Boden. Leider haben wir hier im Westen, keine wahrhaftige "Lehrer-Schüler-Kultur" ... wie auch ... uns
wurde zwar viel beigebracht, doch Worte wie Demut, Respekt, Hingabe und Vertrauen sind in unseren
Herzen meist nicht lebendig.
Aber es gibt auch Suchende, die heimlich praktizieren und die heiligen Schriften sofort verstecken, sobald
ihre Nächsten ins Zimmer kommen – so als müssten sie sich dafür schämen, dass sie sich dem Göttlichen
zuwenden. Auch solche Menschen sind meist keine große Unterstützung ...
Und wieder andere sind der Ansicht, sie schaffen alles alleine ... und üben ganz fleißig in ihren Kämmerchen,
so als würde eine bestimmte Technik ihnen Befreiung schenken können – doch innerlich haben sie sich

abgewendet von den göttlichen Seelen, die vor ihnen diesen Weg gegangen sind. Sie haben noch nicht

verstanden, dass es den Segen dieser großen Meister bedarf, deren Energie sie mit dem Kosmos vereint.

Solange ihre Herzen verschlossen bleiben, werden sie nicht fähig sein, diese Energien in sich aufzunehmen.
Daher bemühen wir uns gemeinsam immer wieder darum, einen offenen Raum zu schaffen, wo gesäte
Samen aufgehen können und wo die Ausrichtung auf das Göttliche normal ist und dadurch gestärkt wird.



Sangha

SCHÜLERIN:
Was ist Sangha?


DANIEL:
"Wenn einer weint, weinen alle und wenn einer lacht, lachen alle."

Yoga ist, wenn du alles als einen Teil von dir erlebst ... und Sangha ist die Aktivität, sich gemeinsam voll und
ganz in die Details des Lebens hinein zu bewegen, einzutreten in das Mysterium "Verbundensein".
Erst wenn du glücklich und in Frieden bist, bin ich es auch ...



Yoga verwirklichen

SCHÜLER:
Ich bin etwas verzweifelt, weil ich einfach nicht weiß, wie ich – mit all meinen weltlichen Pflichten – Yoga
verwirklichen soll. Meine Familie und meine Arbeit beanspruchen soviel Zeit, dass ich nie tiefer eintauchen
kann in das, was du mir zur Verfügung stellst. Dein Leben aber macht mir Mut ... es muss ja irgendwie
möglich sein, aber wie?

DANIEL:
Du kannst jeden Abend, bevor du zu Bett gehst, dir nicht nur die Zähne putzen, sondern dich etwas mit der
Bhagavat-Gita auseinandersetzen ... die Worte mit in den Schlaf nehmen.
Krishna ist eine große Inspiration. Ihm gelang es, sowohl die Pflichten als König zu erfüllen, als auch wie ein
Christus zu handeln. Er zeigte, dass es nicht nötig ist, der irdischen Verantwortung zu entfliehen. Es geht
darum, den Früchten des Handelns zu entsagen und nicht dem "irdischen Leben" – was nicht heißt, dass
dein Handeln keine Früchte bringen soll: "Denn an der Frucht erkennt man den Baum".
Meditiere regelmäßig und wenn es die Zeit erlaubt, ziehe dich für ein paar Tage zurück, um mit mir zu sein.
 


Siddhi

SCHÜLER:
Seitdem ich mit dir praktiziere, habe ich viel "Platz geschaffen" und intuitive Fähigkeiten entwickeln sich.
Du sprichst sehr selten darüber und gleichzeitig ist es für mich offensichtlich, dass du selbstverständlich mit
"all dem" umgehst. Ich habe das Gefühl, dass sich bestimmte Fähigkeiten in mir zeigen, damit ich anderen
Menschen besser dienen kann. Wie soll ich mit dem "erweiterten Feld", das mehr Möglichkeiten des Wirkens
in der Welt schafft, umgehen?

DANIEL:
Diese Fähigkeiten, die sog. Siddhi, sind Begleiterscheinungen deiner spirituellen Praxis. Sie wirken gemäß des
Kontexts, in den dein "Körper-Geist" hineingeworfen wird, d.h. mache keine Show und lasse diese Kräfte durch
dich wirken, wenn dein Gegenüber bereit dazu ist ... und sie ihm dienen.
Aber bleibe auf deinem Weg!



Kriyas

SCHÜLER:
Am Anfang, als ich zu deinen Meditationen kam, war ich ganz verwundert, dass einige deiner Schüler intensive
Bewegungen und Atemübungen einfach so ausgeführt haben, nachdem du
den Raum betreten, sie angesehen
oder sie sanft mit deinen Händen berührt hast. Nun erlebe ich das selbst so ... das Göttliche "macht" mit mir
Yoga und ich weiß, ich muss einfach nur in diesen Fluß
eintauchen, der meinen Körper durchströmt, ... und mich
von diesem Weisheitsstrom tragen lassen, mich ihm einfach nur hingeben.

DANIEL:
Ja, das ist die richtige Haltung.
Du musst nicht mehr tun "Shakti" zeigt dir all die Asanas und Pranayamas,
die für deine Entwicklung notwendig sind.
Durch DEINE vollkommene Hingabe öffnest du dich der spirituellen
Übertragung von Lehrer zu Schüler und das Göttliche wird sich in dir immer mehr offenbaren.



Vertrauen

SCHÜLER:
Ich danke dir, dass du mir in einer bestimmten Phase des Lernens den Kontakt zu dir auf der "sozialen Ebene"
verwehrt hast. Anfangs war ich überfordert, verwirrt, verletzt ... und ich habe an dir und an unserer Beziehung
gezweifelt. Ich habe dann mit meinem "kleinen Geist" versucht "dich" zu analysieren, die Fehler bei "dir"
gesucht, damit ich mir dein Verhalten irgendwie erklären konnte.
Zum Glück jedoch war meine Sehnsucht nach dieser wahrhaftigen Verbindung zu dir, die ich immer wieder
erfahren durfte, stärker – und ich habe einfach weiter praktiziert, so wie du es mir so oft geraten hast.

Nun weiß ich, dass unsere Verbindung weit über das "liebevolle Miteinander" hinaus geht ... und dass all
das notwendig war, um diese Wahrhaftigkeit zu erkennnen.

DANIEL:
Ja, vertraue deinem Lehrer ...




Fast ohne Worte


SCHÜLER:
Ich wurde sehr christlich erzogen und zeigte von klein auf großes Interesse an den heiligen Schriften. Mit dem
"Älter-werden" rückte "das alles" dann vollständig in den Hintergrund – so weit, dass ich die Existenz Gottes
aus den Augen verlor. Irgendwelche glücklichen Umstände haben mich zu dir gebracht.
Seitdem ich mit dir meditiere, werden die Szenen der Bibel in mir lebendig. Ich erlebe sie so, als wäre ich dabei
gewesen ... auch Gebete tauchen auf. Es fühlt sich so an, als würden die, in mir schlummernden Worte zum
Leben erweckt werden ... und ich beginne langsam, wirklich zu verstehen.
Du hast mir nie gesagt, an was ich zu glauben habe. Das Einzige, was du mir immer wieder gesagt hast, war:
"Meditiere mit mir." Ich danke dir von Herzen, dass du mich ohne große Worte unterrichtest.

DANIEL:
Bitte ... so viel "Wort" muss sein (Lachen).



Hingabe ist der Schlüssel

SCHÜLERIN:
Je mehr ich mit dir praktiziere, desto größer wird die Liebe zu dir. Du hast mir mal gesagt, dass diese Liebe
meinen Mann mit einschließt ... dass ich keine Angst davor haben muss. Und ich stelle fest: Ich liebe meinen
Mann mehr denn jeh. Ich fühle auch eine unglaubliche Liebe Menschen gegenüber, die ich gar nicht kenne ...
irgendwie muss ich lernen, neu zu kommunizieren.
Die Liebe, die ich durch das Praktizieren mit dir erlebe, übersteigt alles, was ich in meiner Vergangenheit
erfahren durfte ... sie ist so unendlich groß. Ich bekomme so langsam eine Ahnung davon, was mit
Christusbewusstsein gemeint sein könnte.

DANIEL:
Ja, praktiziere einfach weiter.



Gestalthafter und gestaltloser Gott


SCHÜLER:
Du sprichst oft über den gestaltlosen Gott ... ich bin ein Bhakti-Yogi und verehre Krishna, daher kommt in mir
die Frage hoch: Wie kann ich meine Praxis mit dem, was du sagst, verbinden?

DANIEL:
Schau, ich bin ein buddhistischer Christus-Yogi (Alle lachen).
Ramakrishna sagte, dass das Unendliche endliche Formen annimmt, unter dem kühlenden Einfluss der Hingabe
des Gottesverehrers, und erscheint vor ihm als Göttliche Person. Doch wie beim Aufgehen der Sonne die
Eisschollen im Ozean schmelzen, so geht mit dem Erwachen von Jnana die verkörperte Gottesform in das
unendliche und formlose Brahman auf.

Wenn dir also die Vision der Visionen geschenkt wird, bei der du den gestalthaften Gott deiner Verehrung
erblickst und Gott sich dir noch in seiner gestaltlosen Form offenbart, dann bestätigt sich der Satz: Form ist
Leerheit und Leerheit ist Form – beides gehört ein und derselben Wahrheit an.

Ich liebe Buddha, Jesus, "Rama-Krishna" und Dich ... und die Sonne geht auf ...



In Richtung Finger


SCHÜLER:
Deine Worte berühren mich tief. Ich habe auf meinem Weg schon viele unterschiedliche Richtungen
ausprobiert.

Doch hier habe ich zum ersten Mal das Gefühl, endlich zu Hause zu sein. Was ist das, was mich hier ankommen
lässt – im Vergleich zu anderen Herangehensweisen?

DANIEL:
Lasse uns nicht über die verschiedenen Finger reden. Lasse uns weiter in die Richtung blicken, auf die all die
Finger zeigen ...



Alles ist Eins?

SCHÜLERIN:
Könnte man sagen, dass alle Religionen bzw. spirituellen Wege zum selben Ziel führen?

DANIEL:
So nach dem Motto: Alles ist ein Brei?
Nein ... das könnte ich nicht sagen, weil ich nicht alle Religionen bzw. spirituellen Wege studiert und praktiziert
habe. Diese Aussage ist mir zu allgemein
– oder kannst du ihre Wahrhaftigkeit durch dein kritisches Überprüfen
bestätigen?
Erst wenn du durch eigenes Erleben solche "Glaubenssätze" bestätigen kannst, solltest du sie annehmen.

Daher studiere und praktiziere und dann
bringe dein Erleben zum Ausdruck, so dass die Erfahrung in deinen
Worten und in deinen Handlungen lebendig wird.




Keine Fragen

SCHÜLER:
Die Verbindung zu dir ist sehr stark geworden. Häufig tauchst du in meinen Träumen auf und unterrichtest
mich da weiter. Und in meinem täglichen Leben fühlt es sich oft so an, als würdest du bei mir sein, mich
begleiten. Die Dinge, die du mir – teilweise vor Jahren – gesagt hast, erscheinen immer mehr und koppeln
sich an mein unmittelbares Erleben ... und ich verstehe dann deine Worte, weil sie in mir lebendig sind.
Wenn ich bei einem Satsang vor dir sitze, verschwinden all meine Fragen ... und das Reden wird so unwichtig,
wie auch jetzt ...

(Stille)



Weitere Texte