Interview
FRAGE:
Was hat Dich dazu bewogen, den Yogischen Weg zu gehen?
DANIEL:
Ich wurde christlich erzogen – Taufe, Kommunion, Firmung, regelmäßige Kirchenbesuche und Abendgebete
waren Teil meiner Religiosität. Sehr früh wurde mir klar, dass hinter all den Ritualen eine tiefe spirituelle
Weisheit lag, aber auch, dass ich diese Weisheit in keinem Menschen, der mir bis dahin begegnet war,
verkörpert sah.
Mein innerer Konflikt zwischen Ritual, Glaube und mangelnder Verwirklichung wurde unerträglich ... und aus
einer völligen Enttäuschung heraus stellte ich meine Kirchenbesuche ein und hörte auf zu beten.
Ich wollte nicht mehr nur an das Göttliche glauben und vor allem nichts mehr über das Göttliche aus "zweiter
oder dritter oder wievielter Hand auch immer" hören – ich wollte nur noch das annehmen, was ich erleben
konnte.
FRAGE:
Wahrscheinlich hast Du daraufhin unterschiedliche Dinge ausprobiert ...
DANIEL:
Ja, ich habe einige Sachen ausprobiert. Ich wollte entdecken, wie ich funktioniere. Und die Erforschung der
Verbindungen von Körper und Geist brachte mir auch einige Antworten.
Doch bestimmte geistige Zustände, die durch extremen Sport hervorgerufen wurden und mit außerkörperlichen
Erfahrungen einhergingen, konnte ich nicht so schnell einordnen.
Als ich mich mehrmals von oben sehen konnte, wie ich da unten intensivst Kampfkunst mache, stellte ich fest:
Da scheint es zwei Ichs zu geben ... das eine, das sieht und das andere, das kämpft. (lacht)
Aber auch Zustände direkt nach dem Aufwachen haben mich beschäftigt. Als ich in einer sehr schmerzhaften
Trennungsphase von meiner damaligen Freundin war, wachte ich eines Morgens auf und schwebte in absoluter
Glückseligkeit ... bis zum ersten Gedanken: "Du bist getrennt!" – und schon zog der Schmerz wieder in meinen
Körper ein und der Tag war gelaufen. Und dann wollte ich natürlich herausfinden, wer das war, der da so
glückselig im Bett lag.
FRAGE:
Wie hast Du Yoga entdeckt?
DANIEL:
Starke Rückenschmerzen haben mich Yoga entdecken lassen. Als ich nach einem anstrengenden Arbeitstag mit
heftigen Schmerzen im Lendenbereich nach Hause kam, habe ich mich auf den Boden gelegt und konnte mich
kaum noch bewegen.
Ich führte zunächst nur leichte Bewegungen aus. Aber dann brachte mich mein Körper so nach und nach in
zahlreiche Positionen, die mir bis zu diesem Zeitpunkt nicht bekannt waren. Mein Körper unterrichtete mich und
ich sah einfach zu. Der Schmerz verschwand noch in derselben Nacht vollständig.
Am nächsten Tag wollte ich
mir ein Buch über Massage kaufen, doch stattdessen entdeckte ich ein Yogabuch, in dem viele Übungen, die ich
am Tag zuvor gemacht hatte, abgebildet waren.
Meine Begeisterung für Yoga war sofort geweckt.
Von da an praktizierte ich regelmäßig Asanas und
Pranayamas. Ich besorgte mir weitere Bücher von verschiedenen Meistern und übte nach ihren Ratschlägen –
drei bis sieben Stunden täglich über einige Jahre hinweg.
FRAGE:
Du hast einige Zeit ganz ohne Begleitung praktiziert. Hast Du nicht großen Respekt gehabt vor den inneren
Prozessen, die mit einer so intensiven Praxis einhergehen?
DANIEL:
Ich fühlte mich so zu Hause in dieser Praxis, dass ich mir keinerlei Sorgen machte ... ich zog mich immer mehr
von der Außenwelt zurück, brauchte kaum noch etwas zu essen und schlief sehr wenig. Ohne mir wirklich
darüber bewusst zu sein, durchlief ich einen intensiven Reinigungsprozess. Ich wusste nichts über Kundalini
oder etwas dergleichen. Ich fühlte zwar, dass mich die Yoga-Praxis umgestaltet, doch irgendwie habe ich mich
nicht weiter darum gekümmert ... und einfach immer weiterpraktiziert. Ich habe auch nicht über meine Erlebnisse gesprochen, weil sie so außerordentlich waren und ich Angst hatte,
dass mich die Menschen für verrückt erklären würden.
FRAGE:
Was war der Grund, Dich auf die Suche nach einem Lehrer zu machen?
DANIEL:
Irgendwann spürte ich, dass ich unterschiedliche Lehrer aufsuchen musste, um meine Praxis vertiefen zu
können und um Antworten auf so viele Fragen zu finden, die sich auf Grund der entwickelten "Feineinstellung"
ergaben. Aber ich fand keine befriedigenden Antworten.
Erst die Begegnung mit Baker Roshi beendete meine Suche nach dem richtigen physischen Meister. Ich sah
in ihm die Verkörperung all dessen, wonach ich schon so lange gesucht hatte. Er lehrte mich einen Umgang
zu finden mit meinen Erleuchtungserfahrungen und Visionen von Heiligen, den Weisungen und göttlichen
Offenbarungen in Träumen und in der Natur, meinen Heilfähigkeiten und anderen Siddhi.
Durch ihn und durch seine entwickelte Zen-Praxis wurde mir ein Weg zur Verwirklichung meiner Erkenntnisse
gezeigt und das Tor geöffnet (Sahasrara) zu der Transzendenten Wahrnehmung.
FRAGE:
Du sprichst häufig über die Übertragung von Lehrer zu Schüler.
Wie hast Du diese Übertragungen erlebt?
DANIEL:
Als sich meine intuitive Wahrnehmung durch die regelmäßige Praxis verfeinert hatte, konnte ich in Träumen,
Meditationen oder Begegnungen mit meinen Meistern Lehren empfangen, die dem gewöhnlichen Studieren
der Lehren weit voraus gehen. Das Erscheinen von vollkommenen Seelen in der Meditation (Darshan) zum
Beispiel wandelte mich zutiefst und ich "verstand" ihre Lehren durch das, was sie ausstrahlten. Doch die
Übertragungen – in welcher Form auch immer – hören nie auf und das Lernen hier auf Erden auch nicht ...
FRAGE:
Deine Schüler werden von Dir auf ganz unterschiedliche Art und Weise unterrichtet.
Weshalb wählst Du nicht nur die traditionelle Form eines Satsangs?
DANIEL:
Als ich merkte, dass viele meiner Schüler nicht vorbereitet waren, das Geschenk eines Satsangs voll und ganz
anzunehmen, nahm ich auch die Rolle eines spirituellen Bruders oder Freundes an – eines Menschen, der
einfach mit seinen Nächsten ist. Und ich entdeckte dabei die Schönheit und Freude, ein ganz normaler Mensch
zu sein.
FRAGE:
Du hast schon vielen Menschen das Erwecken der Kundalini durch Shaktipat ermöglicht. Ist diese Einweihung
der erste Schritt auf dem Weg zur Verwirklichung?
DANIEL:
Der erste Schritt? – Nein, der erste und alle weiteren Schritte der Verwirklichung sind immer Jetzt, egal ob die
Kundalini erweckt wurde oder nicht.
Es ist mit Sicherheit richtig von einem Weg zu sprechen und gleichzeitig ist es mit Sicherheit auch richtig zu
sagen, dass es überhaupt keinen Weg gibt.